| .Eine Schulfreundschaft im Indischen Ozean Das wohl exotischste Schulfreundschafts-Projekt der Baar führt zur Tropeninsel La Réunion im südlichen Indischen Ozean Eine Freundschaft mit einer Schule so weit weg, ob das wohl gut gehen könnte? Diese Frage hat sich so mancher gestellt, als 1998 die ersten Kontakte nach La Réunion , geknüpft wurden. Es geht, wie sich bislang am Fürstenberg-Gymnasium zeigt, und zeigt obendrein Kontinuität und Zukunft. Weltoffenheit, Interesse an anderen Kulturen, keine Angst vor Neuem, wie auch Neugier - das bringen Schüler und Begleitlehrer beider Länder mit, wenn sie an der noch jungen und fragilen Beziehung zwischen dem Fürstenberg-Gymnasium und zwei Schulen im französischen Übersee-Département La Réunion , mitten im südlichen Indischen Ozean gelegen, weiter spinnen und diese somit vertiefen. La Réunion ist eine Insel von der Größe des Saarlandes im südlichen Indischen Ozean und zusammen mit Mauritius östlich von Madagaskar gelegen. Fast 10000 Kilometer gilt es für die Schüler von der Süd- auf die Nordhalbkugel der Erde für einen Besuch nach Deutschland zurücklegen. Als ein Teil Frankreichs gehört die tropische Insel mit rund 600000 Einwohnern damit zur Europäischen Gemeinschaft und zu ‚Euroland’. Sie ist vulkanischen Ursprungs und daher sehr gebirgig. Ein mächtiger Vulkan, der Piton de la Fournaise, zeigt dauerhafte Aktivität, aber noch nie hat der feuerspeiende Berg durch Eruption ein Menschenleben gekostet, von daher gilt er als berechenbar und ungefährlich und ist keinesfalls gefürchtet. Erstmals waren im März 1999 25 Schüler des Collège de Cambuston in St. André auf die Baar gereist und verbrachten dort 18 Tage in Partnerfamilien. Es war ein Zufallskontakt, der den Weg zuvor zu dieser Insel geführt und den Weg zu einer Schulfreundschaft gelegt hatte. Er führte zu einer Deutschlehrerin in St.André, Frau Britta Stelzer, die (wie der Name unschwer verrät) als deutschstämmige Französin auf La Réunion lebt und unterrichtet und somit beste Voraussetzungen bot, um erste Brücken über diese große Distanz zu schlagen. Das Leben auf der Insel ist weitgehend europäisch geprägt, wobei das Bildungswesen dem in Frankreich gleichzusetzen ist. An den Collèges wird Deutsch als erste und zweite Fremdsprache unterrichtet, von diesem Angebot nehmen zahlreiche Schüler Gebrauch, obwohl die leichter zu erlernende spanische Sprache als Alternative gegeben und zur Wahl verlockend ist . Verständlich ist, dass die Kinder der Insel, wenn sie denn schon Deutsch sprechen können, auch einmal in das Land reisen wollen, dessen Sprache sie erlernen, um sie direkt vor Ort auch anzuwenden. Reisen nach Deutschland werden auf La Réunion unterstützt durch die Vereinigung ACAR (L' Association des Amis de la Culture Allemande à la Réunion ), fordern aber den dortigen Eltern der Schüler immer noch erhebliche finanzielle Beträge ab , um ihren Kindern die Teilnahme zu ermöglichen. Doch hier hat ein Kennenlernen des Mutterkontinentes Europa und die Vertiefung von Sprachkenntnissen, die spätere Ausbildungs- und Berufschancen der Kinder verbessern können, eben einen hohen Stellenwert. La Réunion verfügt über eine gut funktionierende multikulturelle Gesellschaft. Auf der Insel leben vielfältige ethnische Gruppen friedlich nebeneinander, wie Kreolen, Europäer, Inder, Chinesen und Afrikaner, deren Vorfahren vor langer Zeit auf die Insel kamen, ob als Sklaven verschleppt oder als Einwanderer, Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Kultur und Religion. Entsprechend ‚bunt gemischt’ setzten sich die zu uns kommenden Schülergruppen zusammen und brachten einen zeitweiligen ‚kulturellen Farbtupfer’ in das hiesige Schulleben am Gymnasium. Nach der ersten erfolgreichen Begegnung 1999 hat sich eine weitere Schule, das „ Collège Auguste LACAUSSADE - Le collège du cirque de SALAZIE „ um Teilnahme beworben. Eine erneute Begegnungsrunde wurde gemeinsam vereinbart und für den Oktober des Jahres 2001 geplant. Kurz vor Abreise (‚die Koffer waren schon fast gepackt’) aber kam jedoch ein behördlich verordnetes Aus für die Reise - bedingt durch die Ereignisse des 11. September in New York. Sicherheit stand für diese Entscheidung im Vordergrund. Die 2. Begegnung wurde auf den nachfolgenden März verschoben und fand - nunmehr zwischen drei Schulen - mit großem Erfolg statt. Die Organisation der bisherigen Schulkontakte lag in den Händen der Lehrer Gabriele Rottenecker, Thea Schraven, Désirée Wittkowski und Eberhard Kern auf deutscher Seite, auf französischer Seite von Frau Britta Stelzer, Valerie Chan Kai Ho und Mireilla Ramin, jeweils sehr wohlwollend unterstützt durch die Schulleiter der jeweiligen Institutionen. Gabriele Rottenecker verbrachte 2001 einen mehrwöchigen Aufenthalt am Lycée Sarda Garriga in St.André zu einer schulischen Hospitation. Die bisher einseitigen Begegnungskontakte - stets in Donaueschingen - wurden 2002 erstmals mit einem Gegenbesuch auf La Réunion durchbrochen und bereichert: Mit 45 jungen Teilnehmern fand im Zeitraum 27.9.-7.10.2002 eine Chorkonzertreise zu und auf der fernen Insel statt. Im Rahmen des 3. Jugendchortreffen des SSB vereinte Chorleiter und Musiklehrer am FG Hubert Stinner Mitglieder aus verschiedenen Chören der Schule sowie weiteren Teilnehmern zu einer Chorgemeinschaft, die einer Einladung der ‚Ecole de Musique et de Danse’ in St.André de la Réunion folgte. Der dortige Leiter, Pierre Varo, hatte für die baaremer Chorgruppe ein umfangreiches Auftritts- (8 Konzerte ) und Kulturprogramm vorbereitet. Rundum erfolgreich verlief diese Reise und begeisterte sämtliche Teilnehmer. Ein erneuter Gegenbesuch ließ nicht lange auf sich warten: Pierre Varo, selbst Leiter des über die Grenzen der Insel hinweg bekannten und renommierten Orchesters ‚Orchestre Polyphonia’ kam Mitte Juli 2003 mit 47 jungen Musikern (12 - 28 Jahre alt) im Verlauf einer Europatournée auf die Baar und gastierte hier u.a. am Fürstenberg-Gymnasium. In der bis zum letzten Platz gefüllten Aula bot sich den Anwesenden ein denkwürdiges Feuerwerk an Musik und Rhythmus , die Begeisterung konnte an diesem Abend dabei keinen mehr auf den Sitzen halten. Im kommenden Frühjahr (28.2.-17.3.2004) werden nunmehr wiederum per Flugzeug und Bus eine weitere Gruppe der jungen Übersee-Franzosen via Paris und Straßburg in die Baarstadt reisen, um Eindrücke von Land und Leuten zu gewinnen, wie auch deutscher Kultur. Zuvor wechseln dann wohl unter den Partnern viele e-mails und Briefe zwischen der Insel im südlichen Indischen Ozean und Donaueschingen hin und her, um erste Kontakte zwischen den Teilnehmer zu knüpfen und zu vertiefen. Beteiligt an dieser neuen Partnerschaft sind Schüler der 8. und 9. Klassen des Fürstenberg-Gymnasiums. Viele unserer Schüler hoffen natürlich, dass bei einem anhaltenden guten Kontakt mit ihrem Partner, sich vielleicht mal ein Gegenbesuch realisieren lässt - die Menschen von La Réunion sind für ihre Gastfreundschaft bekannt. Nichts ist unmöglich……. Eberhard Kern Veröffentlicht in der Festschrift zum
Jubiläum im November 2003 |
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