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-Dokumentation-

Bild von Maria gräther / Schülerin am FG 1991

Mozart in Donaueschingen

Das Hoftheater zu Donaueschingen

(1775 - 1850)


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Am östlichen Ortsausgang von Donaueschingen (an dieser Stelle ist heute ein Parkplatz für Besucher der Stadt) hatte Fürst Wilhelm Ernst 1753 eine Reitschule erbauen lassen, die unter seinem lebenslustigen wie kunstsinnigen Nachfolger Joseph Wenzel 1775 umfunktioniert wurde: Der größte Teil der Winterreitschule wurde 1775 zu einem "Komödienhaus" umgebaut, 1784 nach Plänen des "Herzoglich Württembergischen Premier-Hof - Maschinenmeisters " Keim sogar noch erweitert. Keim hatte zuvor schon in ähnlichem Stil das sogenannte "Kleine Theater" in Stuttgart 
(ehemals an der Planie) und das Ulmer Stadttheater entworfen.

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Eine Reminiszenz an glanzvolle Theaterzeiten:

Das ehemalige Hoftheater gehörte um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert zu den herausragenden Bühnen im süddeutschen Raum.

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Das mit allen Raffinessen damaliger Bühnentechnik ausgestattete Theater der Fürsten zu Fürstenberg war durchaus nicht als reines Hoftheater geplant, wie das ungewöhnliche Fassungsvermögen von 555 Zuschauerplätzen verrät; diese Zahl hätte damals mehr als einem Viertel der örtlichen Einwohnerschaft entsprochen! Tatsächlich zogen die Aufführungen, die zumeist von durchreisenden Schauspieler- und Sängerensembles gestaltet wurden, alsbald Besucher aus einem größeren Raum etwa zwischen Stuttgart im Norden und Zürich im Süden, Freiburg im Westen und Ulm im Osten an. Dieser große Einzugsbereich spiegelt die künstlerischen Leistungen und Innovationen, mit denen die Donaueschinger Bühne lockte und die durch die Großzügigkeit der fürstlichen Zuwendungen garantiert wurden. Es gelang, einige der renommiertesten Bühnenkünstler Deutschlands für Auftritte in Donaueschingen zu verpflichten. Dabei dienten die Aufführungen nicht nur dem Kunstgenuß, sondern auch einem handfesten sozialen Zweck. Denn aus den eingenommenen Eintrittsgeldern speiste sich ein Fonds, aus dem die Berufsausbildung von Söhnen aus armen Familien in den fürstenbergischen Landen bestritten werden sollte.

Das Interieur des ehemaligen barocken Hoftheaters
 nach einer Zeichnung von Hans Lembke


Seinen künstlerischen Höchststand erreichte das Hoftheater, in dem zum Beispiel Mozarts Oper "Die Hochzeit des Figaro" erstmals in deutscher Sprache gesungen wurde, aber erst nach Aufhebung des Fürstentums Fürstenberg, als der fürstliche Standesherr Karl Egon II
. ab 1818 seine Hofkapelle durch die bedeutenden Komponisten und Instrumentalvirtuosen Conradin Kreutzer und Johann Wenzel Kalliwoda reorganisieren ließ.
In jener Zeit standen regelmäßig auch alle großen Werke der neueren italienischen und französischen Oper auf dem Donaueschinger Spielplan. *

Es dürfte zu Lebzeiten Mozarts kaum einen fürstlichen Hof gegeben haben an dem mehr Werke dieses Komponisten aufgeführt worden sind, als in der Donaueschinger Residenz. Dabei beschränkte man sich nicht nur auf Kammermusik und Sinfonien, sondern brachte im fürstlich fürstenbergischen Hoftheater auch Opern Mozarts zur Aufführung, nämlich 1785 "Die Entführung aus dem Serail", 1787 "Die Hochzeit des Figaro" und 1791 "Cosi van Tutte" (Ins Deutsche übersetzt als "Die Schule der Frauen oder So machen's alle"). Der Aufführung von "Le Nozze di Figaro" ("Die Hochzeit des Figaro") kommt insofern besondere musikgeschichtliche Bedeutung zu, als es sich wahrscheinlich um die erste deutsche Singspielaufführung außerhalb von Wien und Prag handelt. Somit kann Donaueschingen dank der musikalischen Aufgeschlossenheit des Fürstlich Fürstenbergischen Hauses den Anspruch erheben, ein zentraler Ort zeitgenössischer Mozart-Rezeption gewesen zu sein. **

Diese glanzvolle Periode Donaueschinger Musikkultur fand mit der Brandkatastrophe vom 28.April 1850 ein jähes Ende, bei der das Hoftheater gänzlich vernichtet wurde; zu einem Neuaufbau kam es nicht mehr. Erst im frühen 20.Jahrhundert gelang es wieder, an jene glorreiche Vergangenheit lokaler Musikgeschichte anzuknüpfen, die heute alljährlich im Oktober mit den weltweit beachteten "Musiktagen" fortgeführt wird. *


Beispiel einer Oper-Ankündigung aus dem Jahre 1837 im Hoftheater zu Donaueschingen aus Anlaß der Feier des Geburtstagsfestes
" Ihrer Hoheit,  der durchlauchigsten Fürstin und Frau AMALIE , Fürstin zu Fürstenberg, geb. Prinzessin von Baden".
Weiter zur nächsten Seite -Hier klicken ! Bei diesem Ereignis war es eine Italienische Oper von Bellini.


* Text aus: "Erinnerung und Gegenwart" Ein historischer Wegweiser durch Donaueschingen (Stadt Donaueschingen 1992)

** Text aus : Rede von Prof. Dr. Alfred Schuler (Universität Freiburg u. Mainz)
gehalten bei den Feierlichkeiten im Mozartjahr 1991 in Donaueschingen.
(Fürstenberg-Gymnasium und Hüfingen)


 Dokumentation der AG-Internet am FG u. Fachbereich Musik / H.Stinner
Ein Beitrag zum Donauprojekt  des Fürstenberg-Gymnasium Donaueschingen © 02/2002
Hintergrundmusik: W.A.Mozart Zauberflöte

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