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Vor langer, langer Zeit schlüpften im Schwarzwald zwei Quellnixen aus der Erde. Beide stammten aus einem edlen Geschlecht der feuchten Wesenheiten, waren hübsch und verstanden es, viele Quellkinder um sich zu scharen. Jede tat dies auf ihre Weise. So dirigierte die Nixe, die aus dem über 1000 Meter hohen Steinberg bei Furtwangen kam, bald ein munteres Flüsschen durch die Lande, das die Menschen Breg nannten. Die andere Nixe - sie kam bei St.Georgen aus nur 900 Meter Höhe - hatte ebenfalls einen kleinen Fluss zustande gebracht, mit dem sie nun auf Reise ging. Ihm gaben die Menschen den Namen Brigach. Wie es nun der Zufall wollte, trafen sich die beiden Nixen mit ihren beiden Quellkindern eines Tages bei Donaueschingen. Sie befreundeten sich so schnell, wie das Wasser fließt, und beschlossen von nun an gemeinsam weiterzureisen. Aber ach, die Freundschaft der beiden dauerte nur kurze Zeit. Waren die Menschen schuld daran? Sie sagten nämlich zu dem größer gewordenen Fluss nicht etwa Breg-Brigach oder Brigach-Breg, sondern ganz einfach Donau.
"Sind wir jetzt etwa Donaunixen? Und wer ist dann eigentlich die Donau, du oder ich?" stichelten die Nixen gegenseitig. Und dann tauchte da plötzlich noch die Streitfrage nach dem Ziel des Wasserlaufes auf. Die eine Nixe schlug vor, den Weg zum nahen Bodensee zu nehmen, die andere jedoch wollte weiter, viel weiter reisen, bis zum Schwarzen Meer. Ach, die beiden Nixen konnten sich nicht einigen. Nach kaum 30 Kilometern gemeinsamer Wanderung kam es im engen Durchbruchstal des Flusses auf der Schwäbischen Alb zum endgültigen Krach. 
Nun gibt es bei allen Freundschaften einen Schwächeren und einen Stärkeren. Auch bei den beiden Nixen war das so. Die Stärkere der beiden war die Unternehmungslustigere, die zum Schwarzen Meer wollte. Sie redete so laut und gebieterisch auf die andere Nixe ein, dass diese verzweifelt schluchzte: "Ich will nicht zum Schwarzen Meer, ich will in der Nähe bleiben!" "Aber du musst mit mir gehen. Wir sind jetzt ein Fluss!", herrschte die andere sie an.
Das hörte zum Glück einer der mächtigsten Berggeister der Schwäbischen Alb. "Komm mit mir, ich verstecke dich", flüsterte er der kleinen Nixe zu. "Aber das Wasser, meine Quellkinder?", fragte die Nixe ängstlich. "Die nehmen wir mit", beruhigte sie der Berggeist.
Was dann passierte, ging sehr rasch. Der Berggeist öffnete die Poren seines Gesteins und ließ, zunächst fast unmerklich, dann immer mehr Wasser darin versickern. Er führte die Nixe und ihre Quellkinder heimlich in eine große unterirdische Höhle und versteckte sie dort. Nun kam es, wie es wohl kommen musste: der Berggeist und die Nixe verliebten sich ineinander.
"Du solltest immer bei mir bleiben. In meiner Höhle ist genug Platz für dich und deine Quellkinder", lockte der Berggeist. Doch die Nixe schüttelte den Kopf: "Wasser muss fließen. Und meine Aufgabe ist es, die Quellkinder weiterzuleiten in einen großen Fluss oder See. Dort erst wird ein anderer Wassergeist die Führung übernehmen."
"Kommst du dann zurück zu mir?", fragte der Berggeist. Die Nixe strahlte ihn an: "Immer und immer wieder werde ich zu dir in die Schwäbische Alb zurückkehren, wenn erst mein Flussbett geschaffen ist."
Da öffnete der Berggeist einen Geheimgang und brachte die Nixe und ihre Quellkinder wieder ins Freie. Ungestüm und voll Freude sprudelten sie heraus und bildeten einen großen Teich: den Aachtopf im Hegau. Geschickt ordnete die Nixe daraufhin ihre Quellkinder wieder zu einem Fluss - er wurde auch Aach genannt - und führte sie zum Bodensee. Später übergab sie die munteren Wassergeistlein dem alten Stromkönig Rhein, dann kehrte sie zu ihrem Berggeist in die Schwäbische Alb zurück. 
Die andere Nixe schaffte es zum Schwarzen Meer aber nur mühsam. Dabei halfen ihr nur wenige Quellkinder. Und so wurde sie zur Donaunixe. 




Jana und Ann-Kathrin


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