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Die freie Reichsstadt Ulm hatte einst schlimme Jahre hinter sich. Hagel hatte die Ernte zerschlagen, und Seuchen hatten das Vieh weggerafft, so dass nicht nur das Brot, sondern auch das Fleisch recht teuer geworden war. Da meinten die Ulmer Metzger, es käme jetzt auch nicht mehr darauf an, wenn sie ihre Würste um die Hälfte kleiner machten und sich dafür den doppelten Preis zahlen ließen. Die Ulmer Hausfrauen waren anderer Meinung, und sie forderten, das sie nach Fug und Recht so viel erhalten sollten, das sie mit ihrem guten Geld bezahlen konnten. Da sie sich schließlich vor den Metzgerläden zusammendrängten und mit geschwungenen Besen sich ihr Recht suchten, so kam die Sache vor den Bürgermeister. Dieser wollte der Angelegenheit auf den Grund gehen, sämtliche Metzger Ulms ließ er in die Turmstube des Metzgerturmes zusammenrufen, wo sie sich zur vorgeschriebenen Zeit, vom schlechten Gewissen getrieben, einfanden. Als endlich der Bürgermeister mit zorngerötetem Gesicht und erhobener Faust die Turmstube betrat, bekamen es die Übeltäter mit der Angst zu tun, dass sie ein paar Schritte zurückwichen und sie alle in eine Stubenecke zusammendrängten. Da die Metzger aber das Fasten selber noch nicht gelernt hatten und alle ein stattliches Bäuchlein hatten, war es kein Wunder, dass bei der einseitigen Belastung der Turm aus den Fugen geriet und sich nach jener Seite neigte, auf der die Metzger standen. Zwar bekamen die Würste in Ulm wieder ihr richtiges Gewicht, der Turm aber, den man seit dieser Begebenheit "Metzgerturm" nennt, konnte sich nie wieder aufrichten. Er blieb für alle Zeiten schief.


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