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Der Kriegseinsatz des Jahrgangs 1927
des Fürstenberg-Gymnasiums 
von Max Johne

Meine persönlichen Erlebnisse nach noch vorhandenen Aufzeichnungen und aus der Erinnerung aufgeschrieben.


Reichsarbeitsdienst


Kaum mehr als eine Woche Erholung war uns daheim vergönnt. Schon am 20. September 1944 erfolgte für uns nun 17-jährige die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst nach Straß bei Unterfahlheim im Kreis Neu-Ulm. Die Schulkameraden Oberweiler, Ballweg, Fräßle, Harder, Martin, Graf und Hummel hatten das gleiche Ziel im Gestellungsbefehl stehen.
Herbert Hummel und ich wurden zusammen in einen Trupp eingeteilt und hausten in der selben Holzbaracke in Unterfahlheim, gemeinsam mit Kameraden aus Schwaben. Unser Vormann hieß Kammerer, mit ihm konnte man auskommen. Der Dienst war streng. Wohl als Statussymbol hatten wir blanke Spaten, mit denen wir den sogenannten Spatengriff üben mußten. Im Übungsgelände an der Donau allerdings war stattdessen das Exerzieren mit dem Karabiner angesagt. Jeden zweiten Tag jedoch mußten wir in die "Muna", d.h. in die Munitionsanstalt nach Straß, wo wir Leitungsgräben aushoben. 
Morgens um sechs Uhr begann mit dem Wecken unser Dienst, um 21 Uhr war Zapfenstreich. Die Verpflegung war gut und reichlich. Unser Feldmeister Fleißner mußte in dieser späten Kriegszeit ein besonderes "Organisiertalent" für Lebensmittel gewesen sein.
Am 12. Oktober fuhren wir mit dem "Munazug" nach Ulm zur Röntgenuntersuchung, danach gab es Ausgang, wir schauten uns das Münster an. Am 15. Oktober ging die Bahnfahrt dann nach Günzburg, wo wir auf dem Schloßplatz mit großem Tamtam vereidigt wurden. 
Am 21. und nochmals am 29. Oktober erfreute uns unser Zugführer, Unterfeldmeister Deis, mit Ausgangserlaubnis. Mit Herbert Hummel verbrachte ich ein paar Stunden bei Nersingen an der Donau und am letzten freien Tag besuchten wir beide Leipheim.

Etwas gedrückt wurde unsre Stimmung als Arbeitsmänner nur durch zahlreiche Wanzen, die sich in den Holzritzen der Unterkunftsbaracken eingenistet hatten und uns nachts überfielen und piesackten. 

Am 13. November 1944 brachte man unsre ganze Truppe mit dem "Munazug" nach Ulm zur Entlassung. Nach gut 50 Tagen waren wir der Spaten entledigt und wieder harrten wir der Dinge, die weiter auf uns zukommen sollten. 


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